Seit drei Monaten ist der wichtigste Strand im Norden von Teneriffa gesperrt. Der Grund: Fäkalbakterien verunreinigen das Badewasser der Playa Jardín. In einem ersten Schritt wurde ein Rohrbruch repariert. Und jetzt soll es einen aufwendigen Umbau an der Kläranlage der Region geben.
Die Kläranlage von La Orotava stammt aus den 90er-Jahren. Seit mehr als 15 Jahren wird über einen Umbau diskutiert. Und der soll jetzt erfolgen. Kostenpunkt: 21 Millionen Euro. Doch mittelfristig ist die Sperrung teurer. Denn der Tourismus wird von dem Abwasser-bedingten Badeverbot ausgebremst. Und Geschäftsleute in der Region drohen bereits mit Klagen.
Die Kläranlage sammelt Abwasser von Puerto de la Cruz, La Orotava und Los Realejos. Abgelassen wird es mehrere Hundert Meter vor der Playa Jardín. Durch einen Rohrbruch rückte diese Auslass-Stelle ungewollt deutlich näher an den Strand. Doch so oder so muss die Qualität des teilgeklärten Wassers optimiert werden. Das jedoch kann noch lange dauern.
Teneriffa-Strand wegen Abwasser gesperrt, Kläranlage soll umgebaut werden
Aus dem Rathaus von Puerto de la Cruz wurde nun der Inselverwaltung Teneriffas ein Bericht übermittelt. Darin wird die Erweiterung der regionalen Kläranlage im Orotava-Tal vorgeschlagen. Sollte eine Genehmigung folgen, könnte der Wasserrat Teneriffas die Arbeiten im Wert von 20,8 Millionen Euro ausschreiben. Dafür ist eine Frist von 24 Monaten vorgesehen.
Die seit dem 3. Juli geschlossene Playa Jardín könnte also noch viele weitere Monate abgeriegelt bleiben. Mehrere Anwohner und Geschäftsleute haben sich inzwischen zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen. Sie kritisieren, dass seit “mehr als 15 Jahren” davon gesprochen werde, die regionale Kläranlage umzubauen. Sie sei “veraltet und verfügt nicht mehr über die nötigen Kapazitäten, um das Abwasser zu behandeln”, heißt es in einem öffentlichen Schreiben.
“Warum hat man so lange gewartet und die jetzige Situation zugelassen, wenn der Bedarf an Verbesserungen und Erweiterungen so offensichtlich war”, fragt die Gruppe der Betroffenen die lokale und regionale Politik.
Puerto de la Cruz ignoriert Kritik und betont Fortschritte
Das Rathaus von Puerto de la Cruz geht auf die Kritik bisher nicht ein. Die Politik betont im Gegenteil den “wichtigen Fortschritt”. Denn “dies ist ein wesentlicher Schritt, der die sanitären Verhältnisse in Punta Brava und in der gesamten Gemeinde erheblich verbessern wird”, heißt es aus der Stadtverwaltung.
Zudem habe man weitere Maßnahmen angestoßen, um die Verunreinigung durch Fäkalbakterien zu beenden. Auf diese Weise solle der Stellenwert der Playa Jardín als wichtigstem Strand von Puerto de la Cruz und Umgebung langfristig gesichert werden.
Das direkt an den Strand angrenzende Viertel Punta Brava besteht aus 450 von den ursprünglichen Eignern selbstgebauten Häusern. Einige Objekte wurden nie an die Kanalisation angeschlossen und leiten seither ungeklärtes Abwasser in direkter Strandnähe ins Meer. Auch dieser Zustand solle beendet werden, heißt es. Einen konkreten Plan für dieses Vorhaben gibt es bislang jedoch noch nicht.
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