Die Dunkelziffer der Todesfälle gilt als gewaltig. Sogar Hilfsorganisationen sind sich uneinig über das Ausmaß der Tragödie, die sich auf dem gefährlichen Weg von Afrika in Richtung der Kanarischen Inseln abspielt. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) verloren im Jahr 2021 rund 1000 Menschen ihr Leben, die NGO Walking Borders spricht von mehr als 4000 Todesfällen.
Die so genannte “Atlantikroute” gilt inzwischen als die gefährlichste und tödlichste Flüchtlingsroute der Welt. Allein in diesem Jahr gibt es berichte über das Verschwinden oder den Tod von knapp 200 Migranten.
Das spanische Innenministeriums berichtet von 6300 Menschen auf 138 Booten, die zwischen dem 1. Januar und 15. April auf den Kanarischen Inseln ankamen. Ein besonders gefährlicher Trend sei dabei die Verwendung von Schlauchbooten, die auf dem Atlantik als deutlich zu instabil gelten.
Kanaren-Migration: Drei Babys sterben im Januar
Am 17. Januar kamen 43 Menschen beim Versuch um, von Afrika aus die Kanarischen Inseln zu erreichen. Ihr Boot kenterte unweit der marokkanischen Stadt Tarfaya. Unter den Opfern befanden sich drei Babys. Nur zehn Menschen überlebten das Unglück.
19 Vermisste vor Lanzarote
Nur acht Tage später rettete die kanarische Küstenwache neun Männer, die sich vor der Küste Lanzarotes an den Überresten eines gekenterten Boots festhielten. Die Polizei berichtete im Nachgang von übereinstimmenden Zeugenaussagen, laut derer 19 weitere Personen an Bord gewesen seien. Unter ihnen befanden sich zwei Frauen und ein zweijähriges Mädchen. Sie werden bis heute vermisst.
Ein Verstorbener und 16 Vermisste vor Fuerteventura
Eine Gruppe von 38 Männern und einer Frau überlebte im Februar die gefährliche Reise aus Ländern südlich der Sahara. Ihr Boot war nur 35 Kilometer vor Fuerteventura gesunken. Ein Mann starb, 16 weitere wurden nie gefunden. Sie gelten weiterhin als vermisst. Ihre Überlebenschance sei laut Experten verschwindend gering, so dass sie sehr wahrscheinlich ebenfalls ertranken.
Die Insassen selbst hatten um Hilfe gerufen, nachdem sie Probleme bekamen. In dem Radius, in dem sie sich befanden, gab es bereits Handyempfang. Die Rettung der Überlebenden gelang erst rund sechs Stunden später.
Polizei nimmt Schleuser nach Tod von 27 Menschen fest
Mitte März geriet dann ein Migrantenboot mit 48 Einwanderern an Bord in einen Sturm auf hoher See. Erst Tage später wurde bekannt, dass aufgrund der Bedingungen an Bord 27 Menschen ums Leben kamen.
Zunächst war nur die Leiche eines Minderjährigen an Bord geborgen worden. Doch Mitreisende erklärten, dass schon unterwegs 25 Personen ums Leben gekommen seien. Das Boot hätte zu wenig Wasser an Bord gehabt, so dass viele Menschen verdursteten. Die Verstorbenen seien dann auf hoher See geblieben, hieß es.
Die Polizei verhaftete schließlich mehrere Hintermänner. Dadurch wurde bekannt, dass das Boot ursprünglich mit 75 Personen gestartet war.
Flüchtlings-Tragödie vor El Hierro
Eine weitere Tragödie spielte sich rund 500 Kilometer vor der Küste von El Hierro ab. 22 Männer und zwei Minderjährige trieben tot an Bord an eines Schiffes auf dem Atlantik. Nur zwei Männer und eine Frau überlebten das Unglück. Sie wurden von Rettungskräften nach Teneriffa gebracht.
Unglück nur 20 Meter vor der Küste
Die vielleicht schlimmste Katastrophe ereignete sich unterdessen vor Lanzarote. Nur rund 20 Meter vor der Küste bei Teguise kamen 17 Minderjährige, zwei Frauen und sechs Männer ums Leben.
Das Boot der Hilfesuchenden war vor der zerklüfteten Steilküste in schwierigstem Gewässer gekentert. Einheimische eilten den Schiffbrüchigen unter Einsatz ihres Lebens zu Hilfe. Nur so konnten sechs Personen gerettet werden.
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